Minister Tesch: Neues Forschungs-schiff des IOW wird auf den Namen ELISABETH MANN BORGESE getauft

Von , 21. April 2011 11:25

Das neue Forschungsschiff des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), das die Nachfolge der 2010 außer Dienst gestellten PROFESSOR ALBRECHT PENCK übernimmt, wird den Namen der „Botschafterin der Meere“, ELISABETH MANN BORGESE, tragen. Taufpatin wird die Meeresforscherin und Mikrobiologin Prof. Dr. Antje Boetius sein.

„Der Name „Elisabeth Mann Borgese“ steht für den Schutz der Meere. In diesem Sinne wird das neue Forschungsschiff des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung im wissenschaftlichen Einsatz unterwegs sein. Damit soll zum einen der Namenspatronin eine besondere Würdigung erwiesen und zum anderen ihre Mission mit dem neuen Forschungsschiff fortgesetzt werden. Elisabeth Mann Borgese hat Impulse für die Meeresforschung gegeben, als viele ihrer Zeitgenossen noch an die Unerschöpflichkeit der Ressourcen in den Weltmeeren glaubten. Ich freue mich schon jetzt auf den Festakt der Taufe im Juni“, so Minister Tesch zu der Entscheidung über die Namensgebung des neuen IOW-Forschungsschiffs.

Am 22. Juni 2011 soll es in seinem neuen Heimathafen Rostock am Passagierkai in Warnemünde im Rahmen eines Festaktes auf den Namen ELISABETH MANN BORGESE getauft werden. Als Taufpatin konnte die renommierte Meeresforscherin und Mikrobiologin Prof. Dr. Antje Boetius gewonnen werden. Sie ist Leiterin der Forschungsgruppe „Mikrobielle Habitate“ am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen.

Gleichzeitig wird am 22. Juni das neue Forschungsschiff des IOW feierlich in Dienst gestellt.

Das bis Ende Februar 2011 von der Wehrtechnischen Dienststelle für die Forschung der Deutschen Marine genutzte und in Eckernförde beheimatete Mehrzweckboot SCHWEDENECK, das seit dem 3. März 2011 Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist, steht dann umgebaut und neu ausgerüstet der zivilen Meeresforschung zur Verfügung. Das Schiff wird damit die im August 2010 aus dem wissenschaftlichen Dienst gestellte PROFESSOR ALBRECHT PENCK ersetzen.

Minister Tesch: Durch die Taufe und die feierliche Indienststellung wird das Forschungsschiff ELISABETH MANN BORGESE eine nachhaltige Bereicherung der Deutschen Forschungsflotte darstellen. Das IOW kann sich glücklich schätzen, mit diesem Schiff auch als deutschem Kulturbotschafter im Ostseeraum und in den Anrainerstaaten seinen überaus erfolgreichen Kurs als wettbewerbsfähige und international vernetzte Einrichtung der deutschen Meeresforschung kontinuierlich fortsetzen zu können.“

Das Einsatzgebiet des neuen Forschungsschiffes wird an insgesamt etwa 230 Tagen im Jahr vorwiegend die Ostsee sein. Hier wird das Schiff wie zuvor die PENCK auch in das Meeresmonitoring eingebunden werden. Diese Aufgaben nimmt das IOW auf der Basis einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg und Rostock wahr, einschließlich der Verpflichtungen Deutschlands aus der Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee (HELCOM).

Hintergrund:

Elisabeth Mann Borgese (geb. 24.4.1918,
gest. 8.2.2002), Tochter von Katja und Thomas Mann, ist als „Botschafterin der Meere“ weltweit bekannt. In ihrer zweiten Lebenshälfte bis zu ihrem Tod 2002 wandte sie sich der wissenschaftlichen und politischen Arbeit zum Schutz der Meere zu. Elisabeth Mann Borgese war das einzige weibliche Gründungsmitglied des „Club of Rome“. Sie arbeitete u.a. maßgeblich mit an der heute noch gültigen Seerechtskonvention der UN-Staaten und sie gründete nach zahlreichen Projekten zur Erforschung der Meere 1972 das IOI – „International Ocean Institute“ – auf Malta. Ihr 1976 erschienenes Buch „Das Drama der Meere“ wurde in 13 Sprachen übersetzt und inspiriert bis heute Meeresforscher und Seerechtler in ihrer Arbeit.

„Das Meer ist empfindlich, bei all seiner Größe; und wenn wir uns auch einbilden, unsere Kenntnisse und Erkenntnisse entsprächen dieser Größe und dieser Empfindlichkeit, so ist in Wahrheit der Abgrund unserer Unwissenheit tiefer als seine tiefsten Gräben“, schrieb Elisabeth Mann Borgese im Prolog zu diesem Buch.

Bekannt ist Elisabeth Mann Borgese auch durch ihren dokumentarischen Auftritt in der Fernsehproduktion „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer aus dem Jahre 2001.

Ihre Töchter Dominica und Angelica Borgese haben der Verwendung des Namens ihrer Mutter für das neue Forschungsschiff zugestimmt und fühlen sich durch die damit verbundene Wertschätzung der Arbeit sowie des Erbes ihrer Mutter geehrt.

Taufpatin Prof. Dr. Antje Boetius hat nach ihrer Promotion von 1996 bis 1999 am IOW gearbeitet. Ihr Forschungsgebiet macht es erforderlich, dass sie häufig Schiffsexpeditionen unternimmt. Seit 1989 war sie mehr als 40 Mal mit verschiedenen Schiffen in unterschiedlichsten Regionen unterwegs. Sie ist Mitglied der Akademie der Wissenschaft und Literatur Mainz, Außerordentliches wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft, Gewähltes Mitglied der Nationalen Akademie Leopoldina (Bereich Geologie). 2009 erhielt sie – als einzige Frau von 11 Preisträgern – den Leibniz-Preis. Dieser Preis ist mit 2,5 Millionen Euro für Forschungsprojekte dotiert und einer der wichtigsten Wissenschaftspreise in Deutschland.

Die Bereitstellung des neuen Forschungsschiffes für das IOW erfolgt auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung vom November 2010 zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Kooperationsvereinbarung sieht auch vor, dass das Bundesministerium in den nächsten 10 Jahren die SCHWEDENECK 70 Tage pro Jahr für die wehrtechnische Forschung mit nutzen kann.

Technische Daten der künftigen ELISABETH MANN BORGESE, ehemals SCHWEDENECK:

Baujahr: 1987
Länge: 56,56 m
Tiefgang: 3,50 m
Max. Fahrt: 14,5 kn

Pressemitteilung: Nr. 065-11 – 21.04.2011 – BM – Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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