Nach Küstenabrutsch: Minister stellt Maßnahmen zur Prävention vor

Von , 23. März 2012 07:54

Nach dem tragischen Unglück an der Steilküste am Kap Arkona Ende letzten Jahres hat Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, in Schwerin zu einer Beratung geladen. Ziel des Gespräches waren Informationen über die seit Januar auch durch das Ministerium eingeleiteten Maßnahmen zur Aufklärung und zur Prävention. Die Teilnehmer: Experten des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), Vertreter des Biosphärenreservats Süd-Ost Rügen, des Nationalparks sowie Kommunalvertreter.

Der Minister unterstrich: „Der Unglücksfall, so tragisch er auch war, darf nicht zu einer pauschalen Sperrung der Steilküsten des Landes führen.“ Dies solle nur im Falle von aktuellen Gefahren erfolgen, betonte Backhaus. „Ich setzte primär auf eine verbesserte Aufklärung über die Gefahren im Küstennaturraum.“

Dazu wurde ein Bündel von Maßnahmen erarbeitet:

– Der geologische Dienst des LUNG hat ein Faltblatt (Stückzahl 14.000) herausgegeben, das ab sofort den betroffenen Gemeinden der Insel Rügen zur Verfügung gestellt wird. Es informiert über die Gefahren an Steilufern, gibt Verhaltensweisen vor und nennt Ansprechpartner.

– Voraussichtlich mit Beginn der Hauptsaison sollen an stark frequentierten Küstenpunkten Schautafeln stehen, die die Entstehung dieser Küstenform aufzeigen und somit zur geologischen Umweltbildung beitragen.

– Im April wird ein mit einem Laserscanner ausgestattetes Flugzeug systematisch Küstenabschnitte erfassen. Die dabei entstehenden Höhenaufnahmen der Uferabschnitte dienen als Voraussetzung, um an den Steilküsten fundierte Gefährdungseinschätzungen vornehmen zu können. Mit ersten Ergebnissen wird Anfang Juni gerechnet. Die Daten sollen den Kommunen später zur Verfügung gestellt werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt: der künftige Umgang mit baulichen Anlagen an den Steilküsten. Bereits nach dem Hangabrutsch in Lohme 2005 haben sich die rechtlichen Instrumente mit einer Verwaltungsvorschrift zum Landeswassergesetz und dem Landesbodenschutzgesetz deutlich verbessert. Danach sind Baugenehmigungen nur noch erteilbar, wenn eine Gefährdung durch Steiluferrückgänge und Hanginstabilitäten langfristig ausgeschlossen werden kann. Im Zweifel habe dies der Bauherr durch ein entsprechendes Gutachten nachzuweisen. Dies gelte auch für bestehende Anlagen.

Einer Erweiterung der Küstenschutzanlagen zur Steilküstensicherung am Kap Arkona und in Vitt erteilte der Minister eine Absage. Derartige Maßnahmen wären aus küstendynamischer Sicht kontraproduktiv und würden kein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen, sagte er.

Pressemitteilung Nr. 063/2012 – 23.03.2012 – LU – Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

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